Archiv: Sommer 2006

»Mozart und Salieri«

von Alexander Puschkin
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Alexander Puschkin (1799-1837) ist der zweifellos bedeutendste russische Dichter, mit dessen Schaffen sich alle nachfolgenden Dichtergenerationen beschäftigt haben. Seine Werke sind zur gleichen Zeit ästhetisch leicht, inhaltlich tief, überraschend witzig und formal vollkommen. In ihnen findet sich klassische Perfektion und moderne Problematik wieder. Wie kaum ein anderer beherrschte er fast alle literarischen Gattungen mit derselben Brilllanz. Lyrik, Prosa und die Dramen Puschkins sind für die russische Literatur stilbildend und nehmen viele spätere Entwicklungen vorweg.
Der kurze Zweiakter »Mozart und Salieri«, der für den berühmten Film »Amadeus« Pate stand, behandelt die Fragen um Kunst und Künstlichkeit, Genie und Mittelmaß, Schönheit und Menschlichkeit. Der handwerklich geschulte, aber eben nicht geniale Komponist Salieri vergiftet Mozart, um die Welt vor dessen Genie zu schützen und scheint dabei doch der einzige zu sein, der seine Tiefe ermessen kann: »Du, Mozart, bist ein Gott und weißt es selber nicht. / Ich weiß es, ich ...« In dem abgründigen Vergleich von Ethik und Ästhetik zeigt sich gleichsam Puschkins eigenes poetisches Manifest.

Wolfgang Amadeus Mozart und sein Requiem
Noch vier Jahre vor seinem Tod hatte der 31-jährige Mozart dem Tod gelassen entgegengesehen: »... da der Tod der wahre Endzweck unsere Lebens ist.« Doch 1791 wurde der Tod aufgrund des verstörenden Besuchs eines Fremden zu einem quälenden Schreckengespenst, das Mozart in Panik versetzte. Ein Klopfen an der Tür, die kryptische Bitte, eine Totenmesse zu schreiben, das Angebot einer großen Geldsumme gefolgt von der Warnung, nicht zu versuchen, den Auftraggeber zu identifizieren. Als es mit Mozarts Gesundheit zunehmend bergab ging, wuchs In ihm die Überzeugung, dass er das Requiem für seinen eigenen Tod schreibe. Darin täuschte er sich nicht. Heute gehen Musikwissenschaftler davon aus, dass die Uraufführung des Werks anlässlich einer Gedenkmesse für den Komponisten keine Woche nach seinem Tod in der Michaelskirche stattfand.

Antonio Salieri
Einer populären Legende zufolge galt Antonio Salieri lange Zeit als minderbegabter Neider Wolfgang Amadeus Mozarts. Infolge dieses schlechten Leumundes wurde seine Musik häufig als uninspiriert abgetan und nie einer genaueren Überprüfung unterzogen. Antonio Salieri wurde In eine wohlhabende Kaufmannsfamilie hineingeboren. Schon früh lernte er Violine, Cembalo und Gesang bei seinem Bruder Francesco, der von Giuseppe Tartini unterrichtet wurde, sowie beim Domorganisten von Legnago, Giuseppe Slmoni, der ein Schüler Padre Giovanni Battlsta Martinis gewesen war. Nach dem frühen Tod seiner Eltern ging Salieri nach Padua, später nach Venedig, wo er bei Giovanni Pescetti Im Generalbass und dem Tenor Ferdinando Pacini im Gesang unterrichtet wurde. 1766 traf Salieri dort auf Florian Leopold Gassmann, der ihn einlud, mit Ihm an den kaiserlichen Hof nach Wien zu kommen, und Ihn dort — basierend auf dem berühmten Lehrbuch Gradus ad Parnassum von Johann Joseph Fux — in Komposition unterrichtete. Bei den Kammermusiken Kaiser Josephs II. eingeführt, lernte er 1767 den berühmten Dichter Pietro Metastasio, der ihn in der Deklamation schulte, und 1769 Christoph Willibald Gluck kennen, der ihm Zeit seines Lebens Gönner und Freund wurde. Salieri blieb für den Rest seines Lebens In Wien, im Oktober 1774 heiratete er Theresia Helferstorfer, mit der er acht Kinder haben sollte. Nach Gassmanns Tod 1774 wurde Salieri kaiserlicher Kammerkomponist und Kapellmeister der italienischen Oper, von 1788 bis 1824 hatte er das Amt des Kapellmeisters der kaiserlichen Hofkapelle inne. Von 1788 bis 1795 war er außerdem Präsident, danach Vizepräsident der Tonkünstler-Societät, deren Konzerte er noch bis 1818 leitete. 1823 saß er im Gründungskomitee des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde, ab 1817 war er auch Oberleiter der Singschule. Damit erwarb er sich große Verdienste für die Musik in Wien. Nachdem sich Salieri bis zum 70. Lebensjahr — mit einigen wenigen Ausnahmen — bester Gesundheit erfreut hatte, begann ab etwa 1821 ein kontinuierlicher Abbau seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Im Oktober 1823 trat eine Lähmung der Beine ein, weshalb man Salieri ins Wiener Allgemeine Krankenhaus einliefern musste. Nach längerem Leiden wieder zu Hause, erhielt er am 7. Mai 1825 die heiligen Sterbesakramente und starb um 20 Uhr »am Brand der Alten«, wie es das Totenschauprotokoll der Stadt Wien verzeichnet.

Alexander Puschkin
Puschkin wird in Moskau geboren und verbringt die Sommer von 1805 bis 1810 üblicherweise bei seiner Großmutter, Maria Alexejewna (einer Tochter des äthiopischen Sklaven Ibrahim Petrowitsch Gannibal, der später Patenkind Peters des Großen wurde), im Dorf Sacharow bei Svenigorod nahe Moskau. Diese frühen Kindheitseindrücke spiegeln sich in seinen ersten Versuchen als Dichter wieder, z.B. in den bald darauf entstandenen Gedichten Mönch (1813), Bowa (1814), sowie in seinen im Lyzeum entstandenen Traum (1816). Sechs Jahre verbringt Puschkin im Lyzeum in Zarskoje Selo (das heute seinen Namen trägt), einer Elite-Lehranstalt, die am 19. Oktober 1811 eröffnet worden ist. Von dort aus erlebt der Junge auch die Ereignisse des »Vaterländischen Krieges« gegen Napoleon (1812). 1816 erfährt Puschkins Lyrik eine entscheidende Wendung, als die Elegie zu seiner Haupt-Dichtform wird. Als Puschkin 1817 das Lyzeum abschließt, nimmt er mit dem Titel eines »Kollegiensekretärs« eine Stellung im Petersburger «Kollegium für Auswärtige Angelegenheiten» an. Im Frühjahr 1820 muss sich Puschkin für einige seiner Spottgedichte verantworten, in denen er Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie den Kriegsminister oder den Bildungsminister lächerlich macht. Einer Verbannung nach Sibirien entgeht er aufgrund der Protektion einflussreicher Freunde, muss Petersburg jedoch im Frühsommer des Jahres verlassen und wird auf die Krim versetzt. Bis 1824 lebt Puschkin an verschiedenen Orten im Süden Russlands, u.a. Odessa und Chisinäu. 1823 beginnt er sein bedeutendstes Werk, das Versepos Eugen Onegin, das er erst 1830 abschließt. 1824 bis 1825 lebt Puschkin bei seinen Eltern auf dem Gut in Michajlowskoje, eine Zeit, die durch Konflikte mit dem Vater und einem intensiven literarischen Briefwechsel mit seinen Freunden geprägt ist. Seine Tragödie Boris Godunow, mit der er die eingefahrenen Wege der russischen Dichtung weit verlässt, erlebt in dieser Zeit ihre Anfänge. Nach einer Audienz bei Zar Nikolaus I. darf Puschkin von 1826 bis 1831 zwar wieder in Moskau und Petersburg leben, seine Werke werden vom Zar persönlich zensiert und sein Werk und Leben stark kontrolliert. Dies prägt auch die Weiterarbeit von Eugen Onegin. Puschkin ist unzufrieden, da er weder seine dichterischen noch seine privaten Vorstellungen leben kann. Einen Wechsel in Puschkins Lebensumständen bewirkt seine Heirat mit Natalja Gontscharowa 1831. Das Paar zieht nach Petersburg, wo sie mit Unterstützung von Gontscharowas wohlhabender Verwandtschaft am mondänen Leben des Zarenhofes teilnehmen können — was Puschkin, der sich nach Unabhängigkeit sehnt, frustriert. Er duelliert sich häufig und oft aus trivialen Gründen; seine Werke in dieser Zelt entstehen unter großem psychischen Druck. Erst 1836 darf er die Literaturzeitschrift Sowremennik (Der Zeitgenosse) herausgeben, ein Fortschritt in seiner stark zensierten Tätigkeit. Im Winter des Jahres 1836/1837 duelliert er sich in Folge einer Intrige mit dem französischen Gardeoffizier Georges-Charles d’Anthes und wird dabei durch einen Bauchschuss schwer verletzt. Am 29. Januar 1837, zwei Tage später, stirbt er. D’Anthes, den die Kugel an Brust und Arm streifte, erleidet dagegen nur leichte Verletzungen. Aus Angst vor Sympathiekundgebungen überführt man Puschkin in das Swjatogorski-Kloster bei Pskow und beerdigt Ihn dort. Puschkin ist für alle seine Landsleute der russische Nationaldichter (mit weitem Abstand vor im Ausland wohl bekannteren Schriftstellern wie Tolstoi, Dostojewski, Gogol oder Pasternak; im Deutschen vergleichbar nur einer Kombination aus Schiller und Goethe) schlechthin. Er bereitete in seinen Gedichten, Dramen und Erzählungen der Verwendung der Umgangssprache den Weg; er schuf einen erzählerischen Stil, der Drama, Romantik und Satire mischte — ein Stil, der seitdem untrennbar mit der russischen Literatur verbunden ist und der zahlreiche russische Dichter massiv beeinflusste. Seine romantischen Zeitgenossen waren Byron und Goethe; er wurde beeinflusst von Voltaire und den Shakespeare’schen Tragödien.

Vorstellungstermine
  • 15. Juni 2006
  • 16. Juni 2006
  • 29. Juni 2006
  • 30. Juni 2006
  • 1. Juli 2006
Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.
Plakat zum Stück
Plakat zum Stück
Mitwirkende
Schauspieler
Jan-Arwed Maul
Michael Ruchter
Technischer Meister
Johann Braumandl
Regieassistenz, Soufflage
Carolin Hauck
Plakat
Wladimir Petrichev
Regie
Lilia Petrichev
Fotos zum Stück
Haben wir nicht.